Vom Wert des Salzes

In der Mitte der 90er Jahre tauchten in der Welt der Wissenschaft erste Zweifel auf, dass der Konsum von Salz tatsächlich so gesundheitsschädigend sei, wie bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend verbreitet. Das Postulat des weitgehenden Salzverzichtes erinnerte mich fatal an die Mär von der Eisenhaltigkeit des Spinates, weswegen ich als Kind bis zum Erbrechen mit diesem Gemüse vollgestopft wurde.

Und so schreibt Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung über neue Forschungen, die eindeutig belegen, dass es sogar wesentlich gefährlicher für die Gesundheit sei, weniger Salz zu sich zu nehmen. Und die Mär, dass eine geringere Kochsalzzufuhr den Blutdruck senke, wird schon seit Jahrzehnten von den Hochdruckpatienten entkräftet, die sich an diese Direktive halten. Und genau in dieser Ecke tobt der Streit der Wissenschaftler. Während manche Kardiologen behaupten, der Salzverzicht und eine damit zu erzielende Blutdrucksenkung im Bereich von wenigen mm Hg seien sinnvoll, sagen die anderen, es käme beim Salzverzicht zu einer Sympathikotonie und zu einem nicht unerheblichen Anstieg der Stresshormone. So zeigt auch eine von einem europäischen Ärzteteam durchgeführte und im aktuellen Journal of the American Medicine Association veröffentlichte Untersuchung, dass zu wenig Salz die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall sogar erhöht. Bei beobachteten 3700 Personen über einen Zeitraum von 7 Jahren ergab sich das Phänomen, dass in dieser Zeit das Auftreten der tödlichen Infarkte und Schlaganfälle in der Gruppe am höchsten war, die am wenigsten Salz zu sich genommen hatte.

Der Arzt Jan Staessen formuliert es so: „geringerer Salzkonsum führt zu mehr Toten – insofern stimmt es nicht, dass Leben gerettet und Gesundheitskosten gesenkt werden, wenn Menschen weniger Salz zu sich nehmen“. Diese Untersuchungen werden vom Chefarzt der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Martin Reincke, bestätigt.

Und die Quintessenz?

Der Verbraucher ist verunsichert, vor allem auch deswegen, weil er nicht weiß, wie viel Salz in den Lebensmitteln wie z.B. Brot, Wurst, Käse tatsächlich steckt und er im Tagesverlauf zu sich nimmt. Die Wahrheit dürfte wie so oft in der Mitte liegen. Wenig salzen beim Kochen, nachsalzen nach individuellem Geschmack ist genehmigt. Und wenn, dann bitte auf naturbelassene Salze achten, die nicht auf Natrium und Chlorid reduziert sind.

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