Makuladegeneration ernährungstechnisch beeinflussbar?

Prof. Jens Dawczynski, stellvertretender Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Leipzig, hat im Rahmen der Lutega-Studie etwa 4,5 Millionen Menschen in Deutschland große Hoffnung gegeben. Genau so viele Menschen über 60 Jahren leiden nämlich an der trockenen Makuladegeneration, einem bislang kaum behandelbaren Leidens.

Die von Dawczynski geleitete Studie zeigte auf, dass sich bei Menschen, die an dieser Erkrankung leiden und eine Kombination aus Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren einnahmen, die Zahl der Makulapigmente anstieg und sich die Sehkraft der Probanden deutlich verbesserte.

Neu sind an dieser Kombination in dem während der Studie verabreichten Nahrungsergänzungsmittel die Omega-3-Fettsäuren. Sie zählen zu den ungesättigten Verbindungen, sind essenzielle Stoffe für die menschliche Ernährung, also lebensnotwendig und können vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Die Bezeichnung stammt aus der alten Nomenklatur der Fettsäuren. Bevor man sie als solche identifizierte, wurden sie gemeinschaftlich als Vitamin F bezeichnet. Bereits im Rahmen der sanften Lipidsenkung sind sie als wichtiger Faktor erkannt worden.

Zu Lutein, das genauso wie Zeaxanthin zur Gruppe der Carotinoide gehört, haben Prof. Augustin, Dr. Gärtner und Dr. Stahl bereits im Jahr 2004 eine Untersuchung am Klinikum Karlsruhe durchgeführt, welche die positiven Wirkungen dieser Substanz im Rahmen einer Therapie der Makuladegeneration bestätigte. Und die Amerikaner waren schon wesentlich früher aktiv, da dort der Anteil der Menschen mit Makuladegeneration noch höher liegt als in Deutschland. Anfang der 90er Jahre begann das National Eye Institute der USA eine Interventionsstudie zur Wirkung höher dosierter Antioxidantien auf das Fortschreiten von AMD bei älteren Menschen als Teil von AREDS (Age Related Eye Disease Study), da man schon lange eine Rolle von oxidativen Schäden der Netzhaut in der Entstehung der AMD vermutete, auch bevor die Hinweise auf eine schützende Wirkung der Carotinoide Lutein und Zeaxanthin deutlicher wurden. Mit der neuen Datenlage kann man die mancherorts geäußerten Bedenken relativieren, welche die Gabe von Carotinoiden auf Grund der bis dahin vorliegenden Daten eher zögerlich empfahlen.

Hatten unsere Eltern also doch Recht, als sie uns als Kindern immer Karotten gaben, weil sich dadurch die Sehkraft verbessert? Nur bedingt, denn eine Tabelle aus der Website von Pro Retina zeigt, dass andere Vitalstoffe einen größeren Anteil an Carotinoiden aufweisen.

Gemüsesorten, welche viel Zeaxanthin und/oder Lutein beinhalten: Hier erweist sich der Grünkohl als am deutlichsten mit den Carotinoiden gesättigt, gefolgt von Petersilie und rohem Spinat. In Brokkoli, Blattsalat und auch rohen Karotten sind die Substanzen nicht in diesem Maß vertreten. Kartoffeln und Getreide liegen im Vergleich ganz hinten auf der Liste.

Trotz aller Haarspaltereien um die einzelnen Inhaltsstoffe zeigen die vorliegenden Studien, dass eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Vitalstoffen überaus wichtig ist. Ebenso wird damit natürlich auch den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln Wind in die Segel geblasen. Aber es scheint auch sehr wichtig, dass eine fachkundige Beurteilung der einzelnen angebotenen Substanzen einer hemmungslosen Selbstmedikation vorzuziehen ist.

Quellen:

  • Uniklinik Leipzig, Lutega Studie
  • Klinikum Karlsruhe 2004
  • AREDS Studie
  • Pro Retina Deutschland e.V.

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