Schleudertrauma – Halskrawatte in die Mottenkiste!

Auch die moderne Medizin ist nicht frei von Ritualen, auch nicht von schädlichen wie der Halskrause bei Patienten mit Schleudertrauma. Zwar sind, um chronischen Verläufen vorzubeugen, Schonung und Halskrausen out. Dennoch wird beim Schleudertrauma noch immer überwiegend mit Halskrawatten behandelt, wie eine Umfrage jüngst ergeben hat.

Knapp 86 Prozent der Patienten mit Schleudertrauma oder HWS-Distorsion nach PKW-Unfall werden mit Halskrawatten im Mittel fast sieben Tage lang behandelt, so eines der Hauptergebnisse der Umfrage, die der Marburger Unfallchirurg PD Dr. Michael Schnabel und seine Kollegen gemacht haben (Unfallchirurg, 4, 2004, 300). Nur bei etwa sechs Prozent wurde auf Krankengymnastik und Halskrause verzichtet.

Über 1500 Kliniken wurden angeschrieben und um Beantwortung eines Fragebogens gebeten. Fast 35 Prozent der Bögen wurden ausgefüllt zurückgeschickt. Bei 84 000 Patienten von 516 Kliniken war pro Jahr eine HWS-Distorsion diagnostiziert worden.
Gerade der Verzicht auf HWS-Orthesen und Krankengymnastik ist für Privatdozent Martinus Richter die Therapie der Wahl bei Patienten mit HWS-Distorsion ohne neurologische Ausfälle und ossäre oder ligamentäre Schäden. Nur so könne vermieden werden, daß die Symptome chronisch werden.

Der Unfallchirurg der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) empfiehlt schon seit mehreren Jahren, wie andere Wissenschaftler auch, die Schleudertrauma-Patienten über die Harmlosigkeit ihrer Beschwerden aufzuklären und auf alles zu verzichten, was suggerieren könnte, schwer krank zu sein.

Fazit

Trotz aller Warnungen, dass eine Halskrawatte nach einem Schleudertrauma die Patienten zu sehr immobilisiere und so Chronifizierung und Schmerzen fördere, wird sie offenbar in der Praxis noch häufig angewandt. Nur eine Ursache ist die Schwierigkeit, zwischen Simulation, Übertreibung und tatsächlichen Beschwerden zu unterscheiden. Auch sind sich Lehrbuch-Autoren in ihren Empfehlungen nicht immer einig.

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